Die ersten drei Wochen meiner Sommerferien verbrachte ich in England in einem altehrwürdigen Internat nahe Bath.
Gewohnt habe ich im (recht modernen) Isabella House der Downside School. Ich hatte zum Glück ein Einzelzimmer, es gab aber auch Doppel- und Vierbettzimmer für die Jüngeren, das Bad war auf dem Flur (ein kleines Waschbecken aber auch auf dem Zimmer).
Ein besonders toller Platz war der Gemeinschaftsraum im Isabella-House: Man ist praktisch in den Sesseln und Sofas versunken :)
Insbesondere die Gebäude des Internats haben mir sehr gut gefallen. Ursprünglich war die Anlage ein Kloster, später eine Jungenschule bis auch Mädchen erlaubt wurden. Die Gebäude sind zum Teil bis zu 300 Jahre alt, was dem Ganzen einen unübersehbaren Harry-Potter-Flair verleiht.
Leider durften wir das Schulgelände nicht verlassen, weshalb ich keine Möglichkeit hatte, die Umgebung zu erkunden.
In England rumgekommen bin ich aber trotzdem: Pro Woche gab es zwei Ganztages- und zwei Nachmittags-Ausflüge, beispielsweise nach Bath, Bristol, Portsmouth, Weymouth oder auch wie Cardiff oder Oxford. Dort gab es jeweils eine kleine Sight-Seeing-Tour von den Betreuern (die ehrlich gesagt für mein Alter uninteressant war) und anschließend hatten wir Freizeit und durften in Kleingruppen die Umgebung erkunden.
Ein absolutes Highlight waren die letzten zwei Tage: morgens sind wir mit dem Bus nach London gefahren und haben dort den Nachmittag mit einer Bootsfahrt, einer Stadtführung und etwas Freizeit verbracht, bevor wir in einem Hotel übernachtet und am nächsten Tag die endgültige Heimreise angetreten haben.
Ich hatte die Zusatzoption Reiten gebucht und bin zwei mal in der Woche mit etwa zehn bis 15 anderen Teilnehmern zu einem nahe gelegenen Reiterhof gefahren. Dieser war ein typisch ländlicher Hof, also absolut kein Profi-Stall. Wir wurden nach unseren Fähigkeiten in Anfänger und (mehr oder weniger) Fortgeschrittene eingeteilt. In der Fortgeschrittenen-Gruppe sind wir gesprungen und haben manchmal auch Dressur gemacht
Meines Erachtens waren die Pferde dort bei guter Gesundheit und wurden artgerecht gehalten. Z.B. wurde ihnen zwischen den Unterrichtsstunden Wasser angeboten und auch darauf geachtet, dass sie nicht zu schwer arbeiten müssen, wenn es sehr warm war. Allerdings war ich mir bei der Gestaltung der Stunden nicht so sicher, ob diese wirklich Wert auf das Wohl der Tiere legen, da wir zum Springen auf einer eher trockenen, harten Wiese geritten sind und bei den Ausritten oft auf den Teerstraßen getrabt sind (was schädlich für die Hufe der Pferde ist).
Das Reiten selbst hat mir persönlich immer viel Spaß gemacht, ich habe wirklich viel lernen können und nach den drei Wochen große Fortschritte gesehen (ich habe dort die ersten Sprünge meines Lebens gemacht!).
An dem verbleibenden Nachmittag gab es verschiedenste sportliche und kreative Aktivitäten auf dem Schulgelände und später noch ein Abendprogramm.
Der Tagesablauf im Internat bedeutet für mich insbesondere mit den teils sehr frühen Zeiten (für Mittag- oder Abendessen) eine ganz schöne Umstellung, die mir die Gewöhnung eher schwer gemacht hat. Irgendwann habe ich festgestellt, dass das Internatsleben wohl einfach nichts für mich ist. Dafür habe ich mich umso mehr auf Zuhause gefreut.
Meine Hoffnung, meinen Englischkenntnissen kurz vor dem Start in den Englisch-Leistungskurs einen Booster zu verpassen wurde leider enttäuscht. Der Unterricht war rein mündlich und auf Vokabelarbeit ausgelegt, was mir (die auf Grammatik und Schriftlichkeit gehofft hatte) eher wenig gebracht hat. Dennoch waren die Unterrichtsstunden interessant aufgebaut und ich habe in den vielen Diskussionen definitiv jegliche Hemmung verloren.
Die Lehrer waren immer sehr nett und höflich, wie sich das für Engländer gehört, auch wenn die ganze Truppe der Betreuenden sehr international und bunt gemischt war. Wirklich alle (auch wenn das übertrieben klingt) waren echt nett und haben sich für die Schülerinnen und Schüler interessiert.
Auch die anderen Kursteilnehmer kamen aus aller Welt: Dänemark, Türkei, Spanien, Ungarn, Rumänien, Frankreich, Italien… ein paar andere Deutsche waren auch jede Woche dabei, aber tatsächlich habe ich größtenteils Englisch gesprochen, da wir meistens in international gemischten Gruppen unterwegs waren. Ich habe viele neue Leute kennengelernt, mit denen ich zum Teil immer noch in Kontakt stehe.
Insgesamt hat mir die Sprachreise eine zwar nicht durchweg positive aber definitiv unvergessliche und unglaublich bereichernde Zeit geschenkt, in der ich viele Dinge gelernt habe und die ich so nie vergessen werde. Klar, nicht jedes Erlebnis kann immer super toll sein, aber auch die nicht so tollen Erlebnisse sind Eindrücke, die uns im Leben weiterbringen und genau das tun Sprachreisen ungemein. Im Nachhinein hat mir nämlich das unvermeidliche und allgegenwärtige Englisch-Sprechen geholfen, um jetzt im Leistungskurs sehr viel offener und geradeheraus sprechen zu können.
Lasst euch also von diesem Beitrag nicht abschrecken, eine Sprachreise zu machen! Hinterher wird man diese einmaligen, bereichernden Erlebnisse nie vergessen!